Medizinisches Cannabis bei Epilepsie: Wie kann CBD bei bestimmten Anfallsformen helfen?

Inhaltsübersicht
Epileptische Anfälle entstehen durch vorübergehende Störungen der elektrischen Aktivität im Gehirn. Sie können sich durch Muskelzuckungen, Bewusstseinsveränderungen oder ausgeprägte Krampfanfälle äußern. Mit modernen Medikamenten lassen sich epileptische Anfälle bei einem großen Teil der Betroffenen gut kontrollieren. Bei bestimmten schweren Epilepsieformen bleiben die Anfälle jedoch trotz mehrerer Behandlungsversuche bestehen.
Cannabidiol (CBD), ein Wirkstoff aus der Cannabispflanze, bietet für ausgewählte Epilepsieerkrankungen eine wissenschaftlich untersuchte zusätzliche Behandlungsmöglichkeit. Klinische Studien zeigen, dass pharmazeutisch hergestelltes, hochgereinigtes CBD die Anfallshäufigkeit bei bestimmten seltenen Epilepsiesyndromen verringern kann. Für drei dieser Erkrankungen ist in der Europäischen Union ein entsprechendes Arzneimittel zugelassen. Damit gehört die Behandlung bestimmter Epilepsieformen zu den medizinischen Einsatzgebieten von Cannabinoiden, für die kontrollierte klinische Wirksamkeitsnachweise vorliegen.
Medizinisches Cannabis bei Epilepsie auf einen Blick
- Wirkstoff:
Cannabidiol (CBD), ein nicht berauschend wirkendes Cannabinoid. - Einsatzgebiete:
Bestimmte schwere Epilepsiesyndrome, insbesondere das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und die tuberöse Sklerose. - Therapeutischer Nutzen:
Klinische Studien zeigen eine Verringerung bestimmter epileptischer Anfälle durch ein zugelassenes, hochgereinigtes CBD-Arzneimittel. - Behandlungsform:
Ergänzung zur bestehenden antiepileptischen Therapie unter fachärztlicher Betreuung. - Wichtig:
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich nicht auf frei verkäufliche CBD-Öle oder beliebige Cannabiszubereitungen übertragen.
Was ist Epilepsie und wie entstehen epileptische Anfälle?
Epilepsie bezeichnet eine Gruppe neurologischer Erkrankungen, bei denen eine anhaltende Neigung zu epileptischen Anfällen besteht. Die Anfälle entstehen, wenn Nervenzellen im Gehirn vorübergehend übermäßig synchron elektrische Signale abgeben. Dadurch kann die normale Verarbeitung von Informationen und die Steuerung körperlicher Funktionen gestört werden.
Wie sich ein epileptischer Anfall äußert, hängt davon ab, welche Bereiche des Gehirns beteiligt sind. Während manche Anfälle nur kurze Bewusstseinsveränderungen oder ungewöhnliche Empfindungen auslösen, gehen andere mit Muskelverkrampfungen, Zuckungen oder einem vollständigen Bewusstseinsverlust einher.
Die Ursachen einer Epilepsie sind unterschiedlich. Dazu gehören genetische Veränderungen, strukturelle Veränderungen des Gehirns, Stoffwechselstörungen oder Schädigungen des Nervensystems. Bei einigen Epilepsieformen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Wenn epileptische Anfälle trotz Behandlung bestehen bleiben
Zur Behandlung einer Epilepsie stehen verschiedene anfallsunterdrückende Medikamente zur Verfügung. Diese sollen die elektrische Aktivität der Nervenzellen stabilisieren und dadurch epileptische Anfälle verhindern oder ihre Häufigkeit verringern.
Bei einem Teil der Betroffenen gelingt trotz einer angemessenen medikamentösen Behandlung keine ausreichende Anfallskontrolle. Von einer pharmakoresistenten Epilepsie wird gesprochen, wenn zwei geeignete, ausreichend eingesetzte und verträgliche medikamentöse Behandlungsversuche nicht zu anhaltender Anfallsfreiheit geführt haben.
Besonders bei bestimmten seltenen Epilepsiesyndromen können die Anfälle bereits im frühen Kindesalter beginnen und mit erheblichen Entwicklungs- und Alltagsbeeinträchtigungen verbunden sein.
Für einige dieser Erkrankungen hat die Behandlung mit pharmazeutischem Cannabidiol das therapeutische Spektrum erweitert.
Welche Rolle spielt CBD bei der Behandlung von Epilepsie?
Cannabidiol gehört zu den bekanntesten Inhaltsstoffen der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) verursacht CBD keine für THC typische berauschende Wirkung. Dennoch beeinflusst der Wirkstoff verschiedene Prozesse im Nervensystem.
Die antiepileptische Wirkung von CBD wird über mehrere molekulare Mechanismen vermittelt. Dazu gehören Veränderungen der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und die Beeinflussung bestimmter Ionenkanäle und Rezeptorsysteme. Der genaue Beitrag der einzelnen Mechanismen zur Anfallshemmung ist noch nicht vollständig geklärt.
Für die Behandlung bestimmter schwerer Epilepsieformen steht in der Europäischen Union ein zugelassenes Arzneimittel mit hochgereinigtem Cannabidiol zur Verfügung. Es wird ergänzend zu anderen anfallsunterdrückenden Medikamenten eingesetzt. Seine Zulassung beruht auf klinischen Studien, in denen eine Verringerung der Anfallshäufigkeit gegenüber Placebo nachgewiesen wurde.
Die Zulassung betrifft das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und epileptische Anfälle im Zusammenhang mit tuberöser Sklerose. Bei den ersten beiden Erkrankungen ist die Kombination mit Clobazam vorgesehen.
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Warum ist CBD nicht mit medizinischem Cannabis allgemein gleichzusetzen?
Der Begriff medizinisches Cannabis umfasst unterschiedliche Wirkstoffe und Arzneimittel. Bei der Epilepsiebehandlung ist diese Unterscheidung besonders wichtig, weil sich die klinischen Wirksamkeitsnachweise auf eine genau definierte, hochgereinigte CBD-Arzneimittelzubereitung beziehen.
Für THC-haltige Cannabiszubereitungen oder frei verkäufliche CBD-Produkte lässt sich daraus keine vergleichbare Wirksamkeit gegen epileptische Anfälle ableiten. Auch die gleichbleibende Wirkstoffqualität und die medizinisch kontrollierte Anwendung unterscheiden zugelassene Arzneimittel von frei erhältlichen Produkten.
Bei welchen Epilepsieformen kann Cannabidiol eingesetzt werden?
Für drei seltene Erkrankungen, die mit schwer behandelbaren epileptischen Anfällen einhergehen können, besteht in der Europäischen Union eine Zulassung für eine ergänzende Behandlung mit pharmazeutischem Cannabidiol. Dazu gehören das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und die tuberöse Sklerose. Die Behandlung ist für Patientinnen und Patienten ab zwei Jahren zugelassen, wobei sich die Voraussetzungen für die Kombination mit anderen Arzneimitteln unterscheiden.
Dravet-Syndrom: CBD bei einer seltenen Epilepsie im Kindesalter
Das Dravet-Syndrom ist eine seltene, meist genetisch bedingte Epilepsieform, die typischerweise im ersten Lebensjahr beginnt. Die Erkrankung kann mit wiederkehrenden, teilweise lang anhaltenden epileptischen Anfällen einhergehen. Im weiteren Verlauf können zusätzliche Anfallsformen sowie Beeinträchtigungen der Entwicklung auftreten.
Die Behandlung ist anspruchsvoll, da die Anfälle bei einem Teil der Erkrankten trotz verschiedener Medikamente fortbestehen.
Für das Dravet-Syndrom wurde in klinischen Studien gezeigt, dass die ergänzende Behandlung mit hochgereinigtem CBD die Häufigkeit konvulsiver Anfälle, also Anfälle mit ausgeprägten motorischen Erscheinungen, gegenüber Placebo verringern kann.
Das zugelassene CBD-Arzneimittel wird bei dieser Erkrankung ab einem Alter von zwei Jahren in Kombination mit dem anfallsunterdrückenden Wirkstoff Clobazam eingesetzt.
Lennox-Gastaut-Syndrom: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei schweren Anfällen
Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine schwere Epilepsieform, die meist im Kindesalter beginnt und durch unterschiedliche Anfallsarten gekennzeichnet ist. Dazu gehören unter anderem sogenannte Sturzanfälle, bei denen die Muskelspannung plötzlich abnimmt oder sich verändert. Dadurch kann es zu unvermittelten Stürzen und Verletzungen kommen.
Die Erkrankung geht häufig mit Entwicklungs- und Lernbeeinträchtigungen einher. Eine ausreichende Anfallskontrolle ist nicht immer möglich, obwohl mehrere Medikamente eingesetzt werden.
Klinische Studien zeigen, dass pharmazeutisches CBD als Zusatztherapie die Häufigkeit von Sturzanfällen bei einem Teil der Betroffenen reduzieren kann. Für Patientinnen und Patienten ab zwei Jahren besteht eine Zulassung in Kombination mit Clobazam.
Tuberöse Sklerose: CBD bei krankheitsbedingten epileptischen Anfällen
Die tuberöse Sklerose ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der sich gutartige Gewebeveränderungen in verschiedenen Organen entwickeln können. Sind Veränderungen im Gehirn vorhanden, können epileptische Anfälle auftreten, die teilweise bereits im Säuglings- oder Kindesalter beginnen.
Bei einigen Betroffenen sind die Anfälle schwer zu kontrollieren und können mit zusätzlichen neurologischen oder entwicklungsbezogenen Beeinträchtigungen verbunden sein.
Für epileptische Anfälle im Zusammenhang mit tuberöser Sklerose wurde die ergänzende Behandlung mit hochgereinigtem CBD ebenfalls in klinischen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anfallshäufigkeit gegenüber Placebo verringert werden kann.
Das entsprechende CBD-Arzneimittel ist für Patientinnen und Patienten ab zwei Jahren als Zusatztherapie zugelassen. Anders als beim Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom ist die Kombination mit Clobazam hierbei keine zwingende Zulassungsvoraussetzung.
Wie wirksam ist medizinisches CBD gegen epileptische Anfälle?
Die Behandlung bestimmter seltener Epilepsiesyndrome gehört zu den medizinischen Einsatzgebieten von Cannabidiol, für die randomisierte, placebokontrollierte Studien einen therapeutischen Nutzen belegen.
In diesen Untersuchungen erhielten die Teilnehmenden zusätzlich zu ihrer bestehenden antiepileptischen Behandlung entweder pharmazeutisches CBD oder ein Placebo. Anschließend wurde verglichen, wie sich die Häufigkeit bestimmter Anfallsarten entwickelte.
Die Ergebnisse zeigten bei den untersuchten Epilepsiesyndromen eine stärkere durchschnittliche Verringerung der Anfallshäufigkeit unter CBD als unter Placebo. Untersucht wurden dabei unterschiedliche Anfallsarten, beispielsweise konvulsive Anfälle beim Dravet-Syndrom und Sturzanfälle beim Lennox-Gastaut-Syndrom. Die Ergebnisse sind deshalb nicht uneingeschränkt miteinander vergleichbar.
Der Behandlungserfolg fällt individuell unterschiedlich aus. Während bei einem Teil der Patientinnen und Patienten eine deutliche Verringerung der Anfälle erreicht wird, profitieren andere weniger stark. Eine vollständige Anfallsfreiheit lässt sich aus den Studienergebnissen nicht generell erwarten.
Die kontrollierten Untersuchungen bildeten eine wesentliche Grundlage für die europäische Arzneimittelzulassung. Sie zeigen, dass pharmazeutisches Cannabidiol bei den genannten Epilepsiesyndromen einen klinisch relevanten Beitrag zur ergänzenden Anfallsbehandlung leisten kann.
Was bedeutet eine Verringerung der Anfallshäufigkeit im Alltag?
Epileptische Anfälle können die körperliche Sicherheit, den Schlaf und die Teilnahme an alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigen. Besonders bei schweren Epilepsiesyndromen können wiederkehrende Anfälle auch für Angehörige und betreuende Personen eine große Belastung darstellen.
Eine erfolgreiche Zusatztherapie kann deshalb bereits dann von Bedeutung sein, wenn die Anfallshäufigkeit deutlich zurückgeht, auch wenn keine vollständige Anfallsfreiheit erreicht wird.
Die Behandlung zielt darauf ab, die epileptischen Anfälle möglichst wirksam zu kontrollieren und ihre Auswirkungen auf den Alltag zu begrenzen. Ob darüber hinaus Verbesserungen der Entwicklung, der Selbstständigkeit oder anderer Lebensqualitätsaspekte eintreten, lässt sich aus einer verminderten Anfallshäufigkeit allein nicht zuverlässig ableiten.
Wie wird eine Behandlung mit Cannabidiol bei Epilepsie durchgeführt?
Die Behandlung mit pharmazeutischem CBD erfolgt unter der Verantwortung einer Ärztin oder eines Arztes mit Erfahrung in der Epilepsietherapie. Sie wird ergänzend zu bestehenden anfallsunterdrückenden Medikamenten eingesetzt.
Vor Beginn der Behandlung werden die Diagnose, die bisherigen Therapieversuche und die Anfallssituation sorgfältig beurteilt. Auch die bestehende Medikation und mögliche Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle.
Die Behandlung wird mit einer ärztlich festgelegten Dosierung begonnen und unter Berücksichtigung von Wirksamkeit und Verträglichkeit angepasst. Wichtig ist eine möglichst gleichbleibende Einnahme in Bezug auf Mahlzeiten, da Nahrung die Aufnahme von Cannabidiol in den Körper beeinflussen kann. Entsprechend den ärztlichen Vorgaben sollte das Arzneimittel deshalb konsequent unter vergleichbaren Bedingungen eingenommen werden.
Während der Behandlung wird überprüft, ob sich die Häufigkeit und gegebenenfalls die Schwere der Anfälle verändern. Ein Anfallskalender kann helfen, den Verlauf möglichst zuverlässig zu dokumentieren.
Die Therapie wird regelmäßig auf ihren Nutzen und ihre Verträglichkeit überprüft. Bleibt eine ausreichende Verbesserung aus oder treten relevante Nebenwirkungen auf, muss die Behandlung erneut ärztlich bewertet werden.
Warum sind regelmäßige Kontrollen wichtig?
Cannabidiol kann die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen und selbst unerwünschte Wirkungen verursachen. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt sind mögliche Veränderungen der Leberwerte, insbesondere bei gleichzeitiger Behandlung mit bestimmten anderen Epilepsiemedikamenten.
Vor Beginn der Therapie werden deshalb die Leberwerte kontrolliert. Weitere Untersuchungen erfolgen während der Behandlung in festgelegten Abständen. Bei bestehenden Lebererkrankungen oder der gleichzeitigen Anwendung von Valproat können engmaschigere Kontrollen erforderlich sein.
Die regelmäßige Überwachung ermöglicht es, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen. Gleichzeitig werden die Anfallshäufigkeit, die Verträglichkeit und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beurteilt.
Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind bei CBD möglich?
Pharmazeutisches Cannabidiol wird nicht von allen Patientinnen und Patienten gleichermaßen vertragen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, Müdigkeit, verminderter Appetit und Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, beispielsweise Durchfall.
Darüber hinaus können Veränderungen der Leberwerte auftreten. Das Risiko kann insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung bestimmter anderer Epilepsiemedikamente erhöht sein. Deshalb sind die ärztlich vorgesehenen Kontrolluntersuchungen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Wechselwirkungen mit anderen Epilepsiemedikamenten
Bei der Behandlung schwerer Epilepsiesyndrome werden häufig mehrere Arzneimittel kombiniert. Cannabidiol kann den Abbau bestimmter Wirkstoffe beeinflussen und dadurch ihre Konzentration im Körper verändern.
Besonders bekannt ist die Wechselwirkung mit Clobazam. Bei gleichzeitiger Anwendung kann die Konzentration eines wirksamen Abbauprodukts von Clobazam ansteigen. Dadurch können sich unter anderem Müdigkeit und Schläfrigkeit verstärken.
Auch bei der Kombination mit Valproat ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da Veränderungen der Leberwerte auftreten können. Deshalb sind die ärztliche Überwachung und gegebenenfalls eine Anpassung der Begleitmedikation wichtig.
Warum sind frei verkäufliche CBD-Öle keine Alternative zur Epilepsietherapie?
CBD-Produkte sind in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Qualitäten erhältlich. Frei verkäufliche CBD-Öle dürfen jedoch nicht mit einem zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle gleichgesetzt werden.
Die klinischen Wirksamkeitsnachweise beziehen sich auf pharmazeutisch hergestelltes Cannabidiol mit definierter Wirkstoffqualität und kontrollierter Anwendung. Für handelsübliche CBD-Produkte liegen keine vergleichbaren Nachweise zur Behandlung der genannten Epilepsiesyndrome vor.
Hinzu kommt, dass die tatsächliche Zusammensetzung frei erhältlicher Produkte variieren kann. Auch Wechselwirkungen mit bestehenden Epilepsiemedikamenten sind möglich.
Eine eigenständige Anwendung von CBD-Produkten zur Behandlung epileptischer Anfälle ist deshalb nicht geeignet. Ebenso dürfen verordnete Epilepsiemedikamente nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt oder durch Cannabisprodukte ersetzt werden.
Kann medizinisches Cannabis auch bei anderen Epilepsieformen helfen?
Die positiven klinischen Ergebnisse bei Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöser Sklerose haben das wissenschaftliche Interesse an Cannabidiol in der Epilepsiebehandlung deutlich verstärkt.
Auch bei anderen Epilepsieformen wird untersucht, ob Cannabinoide einen therapeutischen Nutzen haben könnten. Die bisherigen Erkenntnisse reichen jedoch nicht aus, um pharmazeutisches CBD grundsätzlich für sämtliche Epilepsieerkrankungen zu empfehlen.
Dabei ist zwischen einer fehlenden Zulassung und einer nachgewiesenen Unwirksamkeit zu unterscheiden. Dass ein Arzneimittel für eine bestimmte Epilepsieform nicht zugelassen ist, bedeutet nicht automatisch, dass eine therapeutische Wirkung ausgeschlossen wäre. Für eine allgemeine Empfehlung sind jedoch ausreichend aussagekräftige Studien zur jeweiligen Erkrankung erforderlich.
Die verschiedenen Epilepsiesyndrome unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Ursachen, Anfallsarten und Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb können Studienergebnisse zu einer bestimmten Erkrankung nicht ohne Weiteres auf andere Formen übertragen werden.
Medizinisches Cannabis bei Epilepsie auf Rezept
Für die Behandlung bestimmter schwerer Epilepsiesyndrome steht ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit hochgereinigtem Cannabidiol zur Verfügung. Es wird ergänzend zur bestehenden antiepileptischen Therapie eingesetzt und von entsprechend erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten verordnet und überwacht.
Die europäische Zulassung umfasst das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und epileptische Anfälle bei tuberöser Sklerose, jeweils ab einem Alter von zwei Jahren. Bei Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom ist die Anwendung in Kombination mit Clobazam vorgesehen.
Andere Cannabiszubereitungen sind von diesem zugelassenen CBD-Arzneimittel zu unterscheiden. Ihre Verordnung und mögliche Erstattung richten sich nach den jeweils geltenden arzneimittelrechtlichen und sozialrechtlichen Voraussetzungen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ein zugelassenes CBD-Arzneimittel kann bei medizinisch begründeter Anwendung innerhalb seiner Zulassung grundsätzlich zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Die üblichen arzneimittelrechtlichen und sozialrechtlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein.
Davon zu unterscheiden sind andere Cannabiszubereitungen, für die gegebenenfalls besondere Erstattungsregelungen gelten. Die Zulassung und Erstattung eines bestimmten CBD-Arzneimittels bedeutet nicht, dass beliebige Cannabisprodukte bei Epilepsie ebenfalls erstattungsfähig sind.
Welche Rolle übernimmt die Apotheke bei der Versorgung mit medizinischem Cannabis?
Die pharmazeutische Betreuung ist ein wichtiger Bestandteil der Versorgung mit cannabinoidhaltigen Arzneimitteln. Gerade bei schweren Epilepsiesyndromen werden teilweise mehrere Medikamente gleichzeitig eingesetzt, sodass mögliche Wechselwirkungen sorgfältig berücksichtigt werden müssen.
Die Apotheke unterstützt im Rahmen ihrer pharmazeutischen Aufgaben bei Fragen zur sachgerechten Anwendung, Aufbewahrung und Arzneimittelsicherheit. Auch die Prüfung der Begleitmedikation kann dazu beitragen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Medizinisches Cannabis und die Apotheken Süssmann
Apotheker Jens Süssmann beschäftigt sich intensiv mit den medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und verfügt über entsprechende pharmazeutische Fachkenntnisse. Seine Erfahrung mit unterschiedlichen Cannabinoiden, ihren pharmakologischen Eigenschaften und den Besonderheiten der Arzneimittelversorgung bildet eine wichtige Grundlage für die fachkundige Beratung.
Gerade bei neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie ist die sorgfältige Berücksichtigung der gesamten Medikation wichtig. Dazu gehören mögliche Wechselwirkungen, Fragen zur Anwendung und die individuelle Verträglichkeit ärztlich verordneter Arzneimittel.
Weiterführende Informationen zum Thema medizinisches Cannabis bietet das spezialisierte Angebot Remedium420 der Apotheken Süssmann.
Cannabidiol bei Epilepsie: Eine wissenschaftlich belegte Therapieoption
Die Behandlung mit hochgereinigtem Cannabidiol hat das therapeutische Spektrum bei bestimmten schweren Epilepsiesyndromen erweitert. Für das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und epileptische Anfälle im Zusammenhang mit tuberöser Sklerose zeigen klinische Studien, dass CBD als Zusatztherapie die Anfallshäufigkeit verringern kann.
Die europäische Arzneimittelzulassung unterstreicht die medizinische Bedeutung dieser Behandlungsmöglichkeit. Entscheidend bleiben eine genaue Diagnose, die fachärztliche Betreuung und die regelmäßige Überprüfung von Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Die positiven Erkenntnisse beziehen sich auf ein definiertes pharmazeutisches CBD-Arzneimittel. Sie sind deshalb nicht mit einer allgemeinen Empfehlung für frei erhältliche CBD-Produkte oder andere Cannabiszubereitungen bei Epilepsie gleichzusetzen.
FAQ
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu medizinischem Cannabis bei Epilepsie
Kann medizinisches Cannabis epileptische Anfälle reduzieren?
Für hochgereinigtes pharmazeutisches Cannabidiol wurde in klinischen Studien eine Verringerung bestimmter epileptischer Anfälle nachgewiesen. Die Erkenntnisse beziehen sich insbesondere auf das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und die tuberöse Sklerose. Eine deutliche Verringerung der Anfallshäufigkeit ist möglich, eine vollständige Anfallsfreiheit jedoch nicht garantiert. Die Wirksamkeit anderer Cannabiszubereitungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Bei welchen Epilepsieformen ist CBD zugelassen?
Ein entsprechendes CBD-Arzneimittel ist in der Europäischen Union als Zusatztherapie für Anfälle beim Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und bei tuberöser Sklerose ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen. Bei Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom erfolgt die Anwendung in Kombination mit Clobazam.
Ist CBD bei Epilepsie auch für Kinder geeignet?
Pharmazeutisches Cannabidiol ist für bestimmte seltene Epilepsiesyndrome bereits ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen. Die Behandlung erfolgt unter fachärztlicher Betreuung und setzt eine genaue Diagnose sowie die Beachtung der jeweiligen Zulassungsvoraussetzungen voraus.
Kann CBD andere Epilepsiemedikamente ersetzen?
Bei den genannten zugelassenen Einsatzgebieten wird Cannabidiol als Zusatztherapie angewendet. Es ersetzt die bisherige antiepileptische Behandlung nicht eigenständig. Änderungen der Medikation müssen ärztlich abgestimmt werden, da ein unkontrolliertes Absetzen anfallsunterdrückender Medikamente schwerwiegende Folgen haben kann.
Sind frei verkäufliche CBD-Öle gegen Epilepsie wirksam?
Für frei verkäufliche CBD-Öle liegen keine ausreichenden klinischen Nachweise vor, die eine Behandlung epileptischer Anfälle rechtfertigen. Die wissenschaftlich belegte Wirksamkeit bezieht sich auf ein zugelassenes, hochgereinigtes CBD-Arzneimittel. Eine eigenständige Anwendung handelsüblicher CBD-Produkte ist daher keine geeignete Alternative zur ärztlich verordneten Epilepsietherapie.
Hinweis:
Die Informationen im Text dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen nicht die Beratung oder Diagnose durch einen Arzt oder andere medizinische Fachkräfte. Die Informationen sollten niemals als Grundlage für Selbstmedikation oder medizinische Entscheidungen verwendet werden. Bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Hautveränderungen sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Nur medizinisches Fachpersonal kann eine fundierte Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten.